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ZEHN Bücher: Cartoons, Karikaturen und Satire

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Mit einigen Strichen eine Person charakterisieren, eine Situation erfassen, etwas auf die Spitze treiben, das Unmögliche möglich werden lassen, ein Arrangement finden, das unheimlich komisch ist - das ist Kunst fürs Auge! Ob mit oder ohne Text, ob nur mit Tusche oder koloriert: ich mag es!

 

Die ersten einfachen Bildgeschichten entdeckte ich wohl in irgendwelchen Kinderbüchern. Ich bin heute noch meiner Mutter dankbar, dass sie meinen Brüdern und mir Wilhelm-Busch-Geschichten vorlas. Damals, als wir noch nicht lesen konnten, aber immer gespannt darauf warteten, welcher Vers denn nun zu dem Bild kommt und sich dann eine Geschichte aus der Verbindung von Zeichnung und Gedicht ergab. In der Schule behandelten wir einmal einige Bildgeschichten aus E.O. Plauens "Vater und Sohn"-Reihe. Damit war die Liebe zu dieser Art von Kunst geboren und wurde zu einem Selbstläufer. Auch Erwachsene brauchen Bilder- und Geschichtenbücher. Zehn Bücher dieser Art will ich hier aus meiner Sammlung vorstellen.

 

Cartoon Sergio Aragones

Sergio Aragonés lernte ich über die MAD-Hefte kennen. Meist war er es, der auf den Seiten, irgendwo am Rand, eine kleine Bildgeschichte zu den "großen" Geschichten hinzufügte. Ab und zu war er in den Heften auch mit einer großen Geschichte vertreten. Ich mochte ihn von Anfang an. Die Sammelbände kaufte ich, sobald sie auf dem Markt waren. Auf billigem, schlechtem Papier gedruckt, nicht sonderlich gut gebunden, und trotzdem wertvoll. - Jetzt sind es meine Kinder, die bei Sergio Aragonés und anderen Zeichnern die Sprache der Cartoons lernen.

 

Cartoon Hans Georg Rauch

Irgendwann einmal wechselte ich bei meiner Lektüre von den MAD-Heften zur Wochenzeitung DIE ZEIT. Und so lernte ich Hans Georg Rauch mit seinem feinen Federstrich und seinen Fleißarbeiten von Zeichnungen kennen. Manchmal bestand seine Zeichnung nur aus einem einzigen, unendlich lang scheinendem Strich, mit dem er Menschen, Landschaften, eine ganz eigene Welt schuf. Bilder zart wie Spinnweben, Bilder mit unendlich vielen, sich nie wiederholenden Details. Und doch nie das Ganze vergessend, immer eine Botschaft im Mittelpunkt. Hans Georg Rauch starb viel zu früh, 1993, im Alter von 54 Jahren.

 

Cartoon Chaval

Auch Frankreich hat einige herausragende Zeichner hervor gebracht: neben Serre, Sempé oder Bosc gehört auf jeden Fall Chaval dazu. Spontan fällt mir keine einzige Zeichnung von Chaval ein, bei der irgend eine Person lacht. Und trotzdem sind es immer komische, bisweilen tragikomische Situationen, die er mit sicherem Strich auf Papier gebracht hat. Mit bürgerlichem Namen hieß Chaval Yvan de Louarn. 1915 geboren, nahm er sich 1968 das Leben. Vielleicht waren seine Zeichnungen ein Stück Therapie, denn der Satz "Humor ist die Höflichkeit der Verzweiflung" ist von ihm.

 

Cartoon Wolf-Rüdiger Marunde

Auch den Zinnober-Verlag gibt es leider nicht mehr. Dieser Verlag brachte die ersten großformatigen Bilder von Wolf-Rüdiger Marunde in Buchform heraus. Eine gewisse Größe brauchen die Bilder von Marundes Landleben, sonst wirken sie nicht. Dass der 1954 in Hamburg geborene Künstler in Schleswig-Holstein auf dem Land aufwuchs, kann man sich eigentlich denken, wenn man die Detailfülle auf den Bildern sieht. Nicht bunte Bauernschrank-Idylle, sondern das Landleben, wie es eben so ist zwischen halbverfallenen Scheunen und dem mit Plastikplane und Autoreifen abgedeckten Fahrsilo. Und zwischendrin die vielen Viecher, denen es genauso gut und schlecht geht wie uns Menschen mit Liebeskummer, Gruppendruck, dem Kampf um Glück, Anerkennung und sozialem Aufstieg.

 

Cartoon Ernst Kahl

Ich scheine eine gewisse Neigung zu "Viechereien" zu haben. Wahrscheinlich deshalb, weil ich vom Bauernhof komme. Sei's drum: dieses Buch gehört vorgestellt. Ernst Kahls Tierlieben hat nur entfernt etwas mit Brehms Tierleben zu tun. Der alte Brehm würde auf jeden Fall kritisieren, dass dieses Werk alles andere als wissenschaftlich fundiert ist. Deshalb macht es auch soviel Spaß beim näheren Betrachten der Bilder. Und noch ein Hinweis: Ernst Kahls Tierlieben ist nix für Eltern, die von ihren Kindern beim Durchblättern des Buches nicht solche Fragen hören wollen wie: "Du, was macht der Goldfisch da mit dem Kater?" oder "Gibt es dieses 'PLAYBULL - das Magazin für's männliche Nutzvieh' wirklich?"

 

Cartoon Horst Haitzinger

Horst Haitzinger ist ein Meister seines Faches! Nicht nur die Qualität seiner Bilder, auch die Fähigkeit, mit einer gemalten Situation das auszudrücken, was des Pudels Kern ist - dazu gehört richtig viel Talent! Horst Haitzinger wurde 1939 in Eferding, Österreich geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der Künste in München ließ er sich in der bayerischen Metropole nieder. Bereits seit 1958 zeichnet Haitzinger politische Karikaturen. Besonders engagiert er sich für den Umweltschutz. Davon profitieren Organsiationen wie der WWF oder Greenpeace, für die er mehrmals tätig war.

 

Cartoon Bernd Pfarr

Vielleicht stellen wir uns das Leben von Cartoonisten, von Karikaturen-Herstellern, so leicht und fröhlich vor wie die Botschaften, die von ihren Bildern ausgehen. Auch bei Bernd Pfarr würde das nicht zutreffen. Bernd Pfarr starb am 6. Juli 2004 mit fünfundvierzig Jahren an Lymphdrüsenkrebs. An dieser Krankheit litt er fast sein halbes Leben lang. Seine letzten Bilder malte er im Krankenhaus. Bernd Pfarr verband Kunst (im Sinne von "richtig gut und aufwändig gemalte Bilder") mit Humor, der vor allem durch perfekt gestylte Sätze zum Ausdruck kommt und die den Bildern noch die letzte Würze geben. Beispiel: "Insgeheim bewunderte Dr. Dücker die Risikobereitschaft von Menschen, die statt einer gutgefüllten Mülltonne lediglich eine Hasenpfote oder ein vierblättriges Kleeblatt als Talisman mit sich führen."

 

Cartoon Kurt Halbritter

Kurt Halbritter ist bisweilen schon ein wenig böse mit seinen Karikaturen. Aber auch damit bringt man die Welt und das Leben, so wie es ist, auf den Punkt. Hartmut Panskus bezeichnete den Künstler als "Spießbürger". Und zwar im wörtlichen Sinne: " Er war es im alten, im mittelalterlichen Wortsinn: Einer aus dem Volke, dessen einzige, zudem lächerliche Waffe ein einfacher Holzspieß war. Halbritters Spieß war die Zeichenfeder, vergleichsweise eine wenig furchterregende Waffe, mit der man jedoch virtuos und vehement gehandhabt, anderen durchaus das Fürchten beibringen konnte. Mit der Zeichenfeder kämpfte Kurt Halbritter gegen Obrigkeit und falsche Autorität, gegen Hörigkeit und stumpfsinnigen Gehorsam, gegen jegliche Ausbeutung und Unterdrückung und gegen die, die sich ausbeuten und unterdrücken ließen. Ein Halbritter ohne Furcht und Tadel."

 

Cartoon Quino

Quino ist sein Künstlername. Der richtige Name des 1932 in Argentinien geborenen Künstlers lautet Joaquín Salvador Lavado. Quino ist ein politischer Zeichner. Sein Herz schlägt für die kleinen Menschen, die Unterdrückten, Ausgebeuteten. In manchen Zeichnungen nimmt er sich der einfachen Wünsche und Träume dieser Menschen an. Quino kritisiert die Macht des Geldes, die strengen Hierarchien in der Wirtschaft oder im Militär. Ausgerechnet ein großer US-amerikanischer Zeichner, Charles M. Schulz, der Vater von "Peanuts", zollt Quino Respekt: "Die Ideen, die er hervorbringt, sind anspruchsvoll, und ich bin immer wieder überrascht über die Vielseitigkeit, mit der er ein Thema variiert, und über die Folgerungen, die sich zwangsläufig daraus ergeben."

 

Cartoon Gerhard Haderer

Zu guter Letzt möchte ich Gerhard Haderer vorstellen. Der 1951 in Leonding in Österreich geborene Künstler arbeitete doch tatsächlich mal als Schaufensterdekorateur bei Quelle. Ein historischer Glücksfall, dass er bei dieser Arbeit nicht so viel Befriedigung fand, um dabei zu bleiben! Vielleicht wäre jetzt, nachdem man ihm wegen der Kaufhauskrise wahrscheinlich gekündigt hätte, jegliches zeichnerische Talent völlig zunichte gemacht. Dann hätte er sich höchstens als Künstler mit Arrangements à la Duane Hanson durchs Leben schlagen können. Haderer ist respektlos (im positiven Sinne) und böse (auch im positiven Sinne), was seine Bilder angeht. Keiner ist vor ihm sicher: Politiker, der hohe Klerus, Beamte (obwohl: da ist er schon manchmal ungerecht!), Konsumtrottel, die Schönen und Reichen dieser Welt.

 

Portrait Wolfgang Wolfgang Weiß

 

 

 

 

 

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